Es war einmal, in einem fernen Land, in dem Menschen und Blogger friedlich nebeneinander lebten und eines Tages beschlossen, sich zu versammeln, um bei Cupcakes und Livestream ihre Gedanken auszutauschen. Sie nannten es Fashioncamp und luden zahlreiche Gäste aus anderen fernen Ländern ein, unter anderem eine alte Bloggerhexenmeisterin, die sich als Mary Sherpe vorstellte.
Sie verriet Zaubertricks, mit denen man als Blogger seine Miete zahlen konnte und belegte alle, die sich unter Wert verkauften, mit einem bösen Fluch: sie wurden fortan nur noch als Milchmädchenblogger betitelt…
Zeitsprung. Drei Jahre später. Color Blocking ist vergessen, die dreiundfünfzigste Designerkooperation von H&M steht in den Startlöchern und Marys Fluch ist beinahe verblasst.
Die Milchmädchen lernten zu strampeln und aus der Milch Butter zu schlagen.
Doch der Fluch schlägt plötzlich mit voller Wucht zurück, jedoch von einer unerwarteten Seite: wie in jedem Zauberwald gibt es Trolle. Und die finden es gar nicht so super, wenn man die hart erarbeiteten Werbeaufträge nicht als solche benennt. Wie bei meinem letzten Post. Das einzig Blöde daran: der Artikel war gar kein Auftrag….
Was mich persönlich betrifft – und in diesem Fall würde ich mich ausnahmsweise freuen,wenn sich möglichst viele meinen unantastbaren Moralvorstellungen anschließen würden – fahre ich gut damit, es so einfach wie möglich zu halten: sponsored Posts als solche kennzeichnen und alle anderen…nunja, eben nicht.
Aussagen wie „der halbwegs intelligente Leser wird schon unterscheiden können, was Werbung ist und was nicht“ oder „was macht es denn für einen Unterschied, ob ich es kennzeichne? Die Leser müssen mir schon vertrauen“, treiben mir Tränen in die Augen. Wenn die hundertzwanzigste Glossybox ausgepackt und in höchsten Tönen gelobt wird, dann versetzt es meinem gutgläubigen Herzen einen Stich, spätestens wenn ich erfahre, dass der/die/das Blogger dafür bezahlt wurde und zu allem Überfluss später unter vorgehaltener Hand erzählte, dass die mitgeschickte Augencreme nach alten Socken roch und der Lidschatten total Banane war.
Naiv also zu glauben, dass alle Posts, – obwohl bezahlt – der absolut ehrlichen und persönlichen Meinung entsprechen würden. Für eine dreistellige Summe ist man schließlich um einiges mehr bereit, die langen Lieferzeiten oder den unfreundlichen Service zu vergessen.
Dass es bei weitem nicht für alle gilt, erwähne ich hier nur fürs Protokoll. Dass Blogger immer wieder Kooperationen eingehen, kann man ihnen ebenfalls nicht übel nehmen, schließlich leben viele bereits von ihrem Online-Job und müssen sich die Arbeit – wie übrigens alle Redaktionen auch – durch Werbung finanzieren. Woran es noch hapert: diese als solche zu kennzeichnen.
Wenn ich ein Paar Sneakers zugeschickt bekomme, oder für einen gesetzten Link bezahlt werde, dann sehe ich mich und den Blog als Medium in der Pflicht, es den Leser wissen zu lassen. Gleichzeitig möchte ich mich aber nicht dafür entschuldigen müssen, wenn ich auf einen Shop verweise, den ich selbst so toll fand, dass ich meine Erfahrungen gern mit anderen teile und durch die Verlinkung die Suche erleichtere.
Was insgesamt bedeutet, dass Link nicht gleich Link ist: nicht jedes Wort, bei dem ich auf eine weitere Seite verweise, wurde bezahlt oder durch unzählige Highheel-Paare kompensiert.
Den Unterschied macht das kleine Wörtchen „Sponsored“, das unter jedem entsprechenden Artikel auftaucht. Tut nicht weh und bringt keinen zum Heulen. Das Beste daran: es fühlt sich keiner genötigt, „leider ungeil“ zu schreiben. Und das, meine Damen und Herren, ist absolut märchenhaft.





‘Aussagen wie „der halbwegs intelligente Leser wird schon unterscheiden können, was Werbung ist und was nicht“ oder „was macht es denn für einen Unterschied, ob ich es kennzeichne?’ sind zumindest für Deutschland sogar untragbar, denn das Telemediengesetzt schreibt eine Kennzeichnung vor und das ist keine grobe Richtlinie, sondern ein Gesetzt. Ich bin daher immer erschrocken, dass sogar viele Auftraggeber einen Verzicht auf die Kennzeichnung verlangen. Solche Anfragen lehnen wir grundsätzlich ab. Noch viel schlimmer: Viele Artikel stehen mittlerweile unter Generalverdacht, gesponsored zu sein, obwohl sie es nicht sind, weil etliche Blogger Sposored Posts nicht kennzeichnen.
Das stimmt, nur leider halten sich nicht viele daran. Um ehrlich zu sein, mag ich auch nicht die Bloggerpolizei spielen und regeln aufstellen, aber es nervt einfach, dass sich das verhalten anderer darauf auswirkt, dass meine (nicht bezahlten) posts kritisiert werden, weil ich da einen link setze und darunter gleich ein sponsor vermutet wird -.-
Word! Sehr gut geschrieben und zusammen gefasst! Ich liebe deien texte!
xoxo
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Sehr gut geschrieben!!! Ich bin es auch Leid, nur mehr verdeckt gesponserte Beiträge zu lesen und dann wird einem noch unterstellt, man sei quasi zu blöd, zu erkennen.
Die Blogs verlieren nach und nach an Format, weil sie sich kaufen lassen. Wenn eine deutsche Premium Bloggerin schreibt, dass Magazine auch Werbung bringen etc. – dann weiss man, dass hier genau nichts verstanden wurde und das Medium “gesponserter Blog” bereits das Ablaufdatum dick und fett auf die Stirn tätowiert hat. Wen interessiert noch die 34-igste Veranstaltung von einer Firma, über die dann gleichzeitig von 10 BloggerInnen in den höchsten Tönen geschwärmt wird. Wen interessiert das x-te Outfit mit der Verlinkung “ähnliches findet ihr hier”….entweder den link setzen, wo man das Teil wirklich findet (auch wenns nicht bezahlt wird), oder ganz weglassen. Aber gut, irgendwoher muss ja die Masse an Schuhen und Klamotten kommen….das könnte sich ja sicher sonst niemand leisten.
Es ist schon recht traurig, dass viele Blogs ihre Persönlichkeit total verloren haben und man sich in einem Einheitsbrei deluxe wiederfindet.
Dein Blog setzt sich noch immer wohltuend davon ab! Weiter so….