Bitte nicht ZU kreativ…


Das Phänomen ist vermutlich so alt, wie die Mode selbst: Trends kommen und gehen, doch mit den Jahren zeichnet sich ein unverkennbares Muster ab, bei dem scheinbar die gleichen Schnitte, Formen und Farben in immer kürzeren Abständen erst in die Mottenkiste verbannt werden, nur um sie wie die Phönix aus der Asche wieder auferstehen zu lassen.
Wo wir schon beim Gefieder sind: viele Textilketten scheinen sich ja in fremden Federn sehr wohl zu fühlen und kopieren von den “Großen”, was das Zeug hält. Da wird weder vor identischen Prints noch vor 1-zu-1 Schnitten Halt gemacht. Wozu auch-die Kollektionen sind im Nu vergriffen, die besagten Teile trägt Frau genau bis zur ersten Wäsche, weil diese dabei entweder eingehen oder gar auseinander fallen. Dem hält man munter mit dem aktuellen Nachschub entgegen und schon klingeln erneut die Kassen. Peanuts, wenn wieder eine Klage vom kleinen Blogger ins Haus flattert..
Das zwanghafte copy-paste-Verhalten der Modeketten kann aber schnell wie ein lieblicher Kinderstreich aussehen, den man mit einem gnädigen Lächeln abtut, um selig den Einkaufskorb weiter zu beladen. Nämlich in dem Fall, wenn deren Designer damit anfangen, eigene Ideen zu entwickeln.
Plötzlich hängt beim Schweden ein überdimensionaler Kartoffelsack, weil es ja letztens hieß, Eggshape wäre im Kommen. Noch etwas Spitze dazu gepackt und schon hat man zwei Trends mit einer Klappe geschlagen. Die Spanier halten mit einer Schlaghose in psychedelischen Mustern dagegen, weil die 70er doch so hip sind und überhaupt…
Bei der Idee, dass diese Teile auch jemand tragen soll, scheint aber noch niemand angekommen zu sein. Schließlich ist man ja ab sofort kreativ und gibt sich mit Belanglosigkeiten wie diesen nicht ab.

Und dann rennt eine Leni durch die Geschäfte, händeringend nach einem hübschen Outfit suchend, weil gestern plötzlich der Traumtyp angerufen hat, und findet nur Teile, in denen sie bestenfalls wie die senile Oma des besagten Kerls aussehen würde oder schlimmstenfalls..naja, man mag sich das gar nicht erst ausmalen.
Und dann kommt diese Leni zu der Erkenntnis, dass sich ihr Date wohl mit einem nicht-ganz-so-trendy-Mädchen abgeben muss oder dass das Kopieren wohl das kleinere Übel sei und die Schneiderlein doch bitte aufhören sollten, kreativ sein zu wollen.
Bitte.
Der Liebe wegen.

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8 Responses to Bitte nicht ZU kreativ…

  1. Mia says:

    Ach, Gottsein Dank habe ich deine Berliner Schnauze in Wien. Dann vermiss ich die Stadt nicht so :)

  2. leni says:

    Haha danke :) wann hab ich dich wieder? <3

  3. lara says:

    ich mag den text und die art, wie du ihn geschrieben hast :)

  4. Leni ich hab dich vermisst in Berlin!! Hätte dich gerne mal wieder gesehen!! Und ich warte auch noch auf ne mail von der superschreiberin ;) ) *winkmitdemzaunpfahl*

  5. Wo es in deiner zeichnung schon steht: COLOURBLOCKING?!?! Was ist das? Was soll das?! Wilde Farbkombis in plakativen Streifen als neuer Trend? Bittesehr. Aber aktuell gilt ja ein grasgrünes Shirt zum dezentschwarzen Pencilskirt schon als Fashionstatement höchsten Grades. Man muss auch nicht alles mitmachen bzw direkt irgendwie benennen—du hast sehr sehr recht Liebes ^^

    LG Lilli

  6. Dea says:

    Was mich so ärgert ist, dass bei den großen Ketten heuer noch nicht mal viele Klassiker tragbar waren. Ich wollte ein schlichtes weißes Sommerkleid – kein einziges das ich probiert habe war undurchsichtig. Ich mein, wie stellen die sich das vor?! Im Büro, zum Familientreffen etc. absolut untragbar! Und es stimmt, da werden die “Trends” nur so in die Läden geschmissen ohne groß nachzudenken…

  7. It’s hard to find knowledgeable people on this topic, but you sound like you know what you’re talking about! Thanks

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